Was ist roofSec? So funktioniert das Monitoring-System für Flachdächer

Kurz erklärt

Feuchtigkeit kann im Flachdach lange unbemerkt bleiben, besonders unter Begrünung, Photovoltaik oder Terrassenbelägen. Wird sie erst durch einen Wasserfleck im Innenraum sichtbar, kann die Durchfeuchtung im Dachaufbau bereits deutlich über die sichtbare Stelle hinausreichen.

roofSec überwacht deshalb definierte Messpunkte auf der Dampfsperre. Die Sensorkabel werden regelmäßig automatisch abgefragt. Ergibt die Cloud-Auswertung einen relevanten Nässehinweis, erhält der hinterlegte Ansprechpartner eine E-Mail und sieht die auffälligen Sensoren im Dachplan. So lässt sich der Prüfbereich eingrenzen und die fachliche Kontrolle gezielter vorbereiten. Das System lokalisiert jedoch nicht automatisch die genaue Eintrittsstelle und ersetzt weder Wartung noch Dachprüfung.

roofSec-Systemübersicht mit Sensorkabeln im Flachdach, Kommunikationseinheit und Cloud-Service
Sensorkabel im Dachaufbau, Kommunikationseinheit und Cloud-Service bilden die roofSec-Überwachungsebene.

Warum Feuchtigkeit im Flachdach lange unbemerkt bleiben kann

Ein Wasserfleck an der Decke kann ein spätes sichtbares Zeichen eines Feuchteeintrags sein. Bis er im Innenraum sichtbar wird, kann Feuchtigkeit bereits mehrere Schichten erreicht oder sich im Dachaufbau verlagert haben. Die sichtbare Stelle muss deshalb weder der Eintrittsstelle noch der gesamten betroffenen Fläche entsprechen.

Liegt die Abdichtung unter Kies, Begrünung, einer Photovoltaikanlage oder einer Dachterrasse, können darüberliegende Schichten und Aufbauten den späteren Zugang je nach Konstruktion aufwendiger machen. Bei öffentlichen, gewerblichen und industriellen Gebäuden kommt hinzu, dass eine ungeklärte Durchfeuchtung den Betrieb beeinträchtigen kann.

Feuchtigkeit kann je nach Aufbau Dämmung, Klebeverbindungen, Befestiger, Holz- oder Metallbauteile beeinträchtigen. Das International Institute of Building Enclosure Consultants nennt unter anderem den Verlust von Dämmwirkung, Korrosion, Holzschäden und eine Verschlechterung von Klebeverbindungen als mögliche Folgen.[1] Welche davon in einem konkreten Dach relevant sind, muss fachlich geprüft werden.

Mehr zu diesem Thema: Nasse Dämmung im Flachdach: Folgen, Erkennung und Sanierungsrisiken

Was roofSec gegenüber einer Einzelprüfung verändert

Eine Sichtprüfung oder Einzelmessung zeigt den Zustand des Dachs zu einem bestimmten Zeitpunkt. Zwischen zwei Kontrollen bleibt offen, ob und an welcher Stelle im Dachaufbau Nässe auftritt.

roofSec ergänzt diese Momentaufnahme durch dokumentierte Messpunkte, automatische Abfragen und die Auswertung zeitlicher Verläufe. Dadurch wird nachvollziehbar, an welchen dokumentierten Positionen und zu welchen Zeitpunkten Nässe erkannt wurde. Wartung und fachliche Prüfung bleiben notwendig. Die Informationslücke zwischen den Kontrollen wird jedoch kleiner.

Welche Aufgabe roofSec übernimmt

roofSec ist eine dauerhaft installierte Überwachungsebene im Flachdach. Das System besteht aus projektspezifisch verlegten Sensorkabeln, Verbindungskabeln, einer Kommunikationseinheit und dem Cloud-Service zur Auswertung.

Die Sensorpunkte liegen im Abstand von einem Meter. Die Sensorkabel sind in Längen von 50 oder 100 Metern verfügbar. An eine Kommunikationseinheit können bis zu vier Sensorkabel angeschlossen werden.[2] Welche Auslegung sinnvoll ist, hängt von Dachfläche, Geometrie, Aufbau und Nutzung ab.

roofSec liefert Hinweise aus dem Dachaufbau. Die fachliche Ursachenprüfung folgt danach.

Informationen zu Komponenten und technischen Unterlagen finden Planer auf der roofSec-Produktseite und im Bereich Architekten und Planer.[2][3]

Vom Nässehinweis zur fachlichen Prüfung

Vom Nässehinweis bis zur fachlichen Prüfung läuft der Prozess in vier Schritten ab:

  1. Nässe erreicht einen Sensorpunkt. Das Sensorkabel liegt in einem projektspezifisch geplanten Muster direkt auf der Dampfsperre und unterhalb der Wärmedämmung. Die Positionen der Sensorkabel und Sensorpunkte werden im Verlegeplan dokumentiert.
  2. Die Daten werden ausgewertet. Die Kommunikationseinheit fragt die Sensoren regelmäßig ab und übermittelt die Werte an den roofSec-Cloud-Service. Die Auswertung berücksichtigt Veränderungen und historische Sensorwerte. Dadurch lässt sich nachvollziehen, welche dokumentierten Sensorpositionen zu welchen Zeitpunkten auffällig waren. Fachleute können daraus Hinweise auf Veränderungen des betroffenen Bereichs ableiten.
  3. Der Ansprechpartner wird informiert. Ergibt die regelmäßige Cloud-Auswertung einen relevanten Nässehinweis, erhält der hinterlegte Ansprechpartner eine E-Mail. Im Kunden-Dashboard wird der Dachstatus als Alarm angezeigt. Im Dachplan sind die auffälligen Sensoren zu sehen. Eine feste Minuten-, Echtzeit- oder Reaktionszeitgarantie gibt es nicht.
  4. Eine Fachperson prüft den Bereich. Sensorposition und Verlegeplan grenzen die nasse Zone ein. Eine geeignete Fachperson klärt anschließend die Ursache und entscheidet, ob eine gezielte Öffnung oder Reparatur erforderlich ist.

Zusätzlich prüft eine Heartbeat-Funktion, ob regelmäßig Daten von der Kommunikationseinheit eintreffen. Bleiben sie über einen definierten Zeitraum aus, erhält der Ansprechpartner ebenfalls eine E-Mail. So wird sichtbar, wenn die Kommunikationseinheit über längere Zeit keine Daten überträgt. Die Heartbeat-Funktion weist jedoch nicht jedes mögliche Systemproblem nach.

Wer den Schichtenaufbau nachvollziehen möchte, findet die Grundlagen im Beitrag Flachdach-Aufbau: Schichten, Dampfsperre, Dämmung und Abdichtung.

Was roofSec eingrenzt und wo die Grenzen liegen

Ein auffälliger Sensor zeigt, an welcher im Verlegeplan dokumentierten Position Nässe erkannt wurde. Sind mehrere Sensoren betroffen, lässt sich der Prüfbereich anhand ihrer Lage weiter eingrenzen. Veränderungen im Zeitverlauf liefern zusätzliche Hinweise für die fachliche Bewertung.

Die Meldung bestimmt aber nicht automatisch die Fehlstelle in der Dachabdichtung. Wasser kann sich im Aufbau bewegen. Der Ort, an dem ein Sensor Nässe erkennt, muss daher nicht dem Punkt entsprechen, an dem Wasser eingedrungen ist.

Leckageortung, Bestandsaufnahme und Monitoring erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Mehr dazu: Leckageortung am Flachdach: Methoden und Einsatzbereiche

Schematische roofSec-Heatmap mit Sensorkabeln und einem auffälligen Prüfbereich im Flachdach
Die Heatmap zeigt einen auffälligen Sensorbereich. Die genaue Eintrittsstelle muss fachlich geprüft werden.

Für welche Flachdächer ist roofSec besonders sinnvoll?

Monitoring kann bei unterschiedlichen Flachdächern eingesetzt werden. Besonders sinnvoll kann es dort sein, wo die Abdichtung später schwer zugänglich ist oder spät erkannte Feuchtigkeit erhebliche Folgen haben kann.

Typische Einsatzfälle sind:

  • Gründächer und Retentionsdächer
  • Flachdächer mit Photovoltaikanlage
  • Dachterrassen und genutzte Dachflächen
  • öffentliche Gebäude wie Verwaltungsgebäude, Schulen oder Kindergärten
  • Gewerbe- und Industriegebäude mit sensibler Nutzung
  • private Ein- und Mehrfamilienhäuser bei Neubau oder Dachsanierung

Eine Projektprüfung ist insbesondere sinnvoll, wenn das Dach gerade neu gebaut oder saniert wird, spätere Aufbauten den Zugang erschweren können oder ein spät erkannter Nässeeintritt Betrieb, Budget oder Gebäudewert erheblich beeinträchtigen würde.

Bei PV, Begrünung und Terrassenbelägen liefert roofSec zusätzliche Informationen unter Aufbauten, deren Öffnung oder Kontrolle je nach Konstruktion aufwendig sein kann.

Vertiefend dazu: Photovoltaik auf dem Flachdach ohne Dachdurchdringung

Wann muss roofSec eingeplant werden?

Am besten wird roofSec beim Neubau oder im Zuge einer Dachsanierung eingeplant, solange der Dachaufbau zugänglich ist. Dann lassen sich Verlegemuster, Kabelwege, Kommunikationseinheit und spätere Dachnutzung gemeinsam planen.

Bei einem bereits geschlossenen Bestandsdach ist roofSec keine Lösung, die einfach auf die fertige Abdichtung gelegt wird. Eine Nachrüstung ist meist erst sinnvoll, wenn das Dach im Zuge einer Sanierung oder gezielten Öffnung ohnehin bis zur Sensorebene zugänglich wird. Besteht bereits ein akuter Schaden, stehen zunächst Inspektion, Leckageortung und fachliche Sanierungsentscheidung im Vordergrund.

Die ausführliche Entscheidungshilfe steht im Beitrag Flachdach-Monitoring nachrüsten: Bestand, Sanierung und Neubau.

Praxisbeispiel: Haus der Wirtschaft in Linz

Zu den Referenzprojekten von roofSec zählt das umfassend umgebaute Haus der Wirtschaft der WKO Oberösterreich am Hessenplatz in Linz. Die WKOÖ nahm das Gebäude 2024 offiziell in Betrieb und beschreibt es als Ort für Beratung, Bildung, Veranstaltungen und Vernetzung.[4]

Auch private Neubauprojekte zählen zum Anwendungsbereich. Das gilt insbesondere für Flachdächer mit geplanter Terrasse, Begrünung oder Photovoltaikanlage. Für die Eignungsprüfung sind vor allem Dachaufbau, spätere Zugänglichkeit und die möglichen Folgen eines lange unbemerkten Nässeeintrags relevant.

Was kostet roofSec?

Die Auslegung ist projektabhängig. Dachfläche, Geometrie, Anzahl und Länge der Sensorkabel, Kabelwege und Kommunikationseinheiten beeinflussen den Umfang. Ein pauschaler Quadratmeterpreis wäre deshalb wenig aussagekräftig.

roofSec wird als System einmalig gekauft. Für den Cloud-Service fallen derzeit keine laufenden Abo- oder Jahresgebühren an.[5] Maßgeblich sind die Konditionen im projektbezogenen Angebot.

Unsere Vertriebs- und Ausführungspartner unterstützen bei der Auslegung, dem Bezug und dem fachgerechten Einbau.

Projekt unverbindlich prüfen lassen

Für eine erste Einschätzung benötigen wir folgende Angaben:

  • Dachtyp und ungefähre Dachfläche
  • Neubau oder Sanierung
  • geplanter Dachaufbau
  • spätere Nutzung durch PV, Begrünung, Terrasse oder Technik
  • aktueller Planungs- beziehungsweise Baufortschritt

Wir prüfen diese Eckdaten, klären den geeigneten Einbauzeitpunkt und zeigen, welche Systemauslegung für das Dach infrage kommt.

Häufige Fragen zu roofSec

Erkennt roofSec die genaue Leckstelle?

Nein. roofSec zeigt auffällige Sensorpositionen im Verlegeplan und grenzt damit die nasse Zone ein. Die genaue Eintrittsstelle muss eine geeignete Fachperson prüfen.

Meldet roofSec in Echtzeit?

Die Sensoren werden regelmäßig automatisch abgefragt. Ergibt die Cloud-Auswertung einen relevanten Nässehinweis, erhält der hinterlegte Ansprechpartner eine E-Mail. Eine feste Minuten-, Echtzeit- oder Reaktionszeitgarantie gibt es nicht.

Kann roofSec in einem bestehenden Flachdach nachgerüstet werden?

Ja, wenn der Dachaufbau bis zur vorgesehenen Sensorebene zugänglich ist. Bei einem fertigen, geschlossenen Bestandsdach ist die Nachrüstung meist erst im Zuge einer Sanierung oder gezielten Öffnung sinnvoll.

Gibt es laufende Gebühren?

roofSec wird als System einmalig gekauft. Der Cloud-Service verursacht derzeit keine laufenden Abo- oder Jahresgebühren.[5] Maßgeblich ist das projektbezogene Angebot.

Quellen

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